Innoform: Lebensmittelrecht und Verpackungen in Europa (D, A, Ch)

Dr. Ralph Derra (ISEGA)

Dr. Andreas Grabitz (Eurofins)

Am 27./28.06.2013 lud Innoform zur Tagung "Lebensmittelrecht und Verpackungen in Europa (D, A, Ch)" nach Osnabrück und informierte ausführlich über aktuelle rechtliche Regelungen rund um Verpackung und die praktische Umsetzung in Konformitätsarbeit und Verpackungsprüfung. Schwerpunkte bildeten die Themen Druckfarben, Neuerungen in der Gesetzgebung sowie private Standards wie der International Food Standard Packaging und der BRC Global Standard.

Wenige EU-Neuregelungen bis 2014 zu erwarten
Dr. Johannes Bergmair (ofi Technologie & Innovation GmbH) eröffnete mit "Neuregelungen auf EU-Ebene" und einer erfreulichen Nachricht für die Brache: "In den nächsten 12 Monaten sind nur kleinere Anpassungen, vor allem Ergänzungen der Positiv-Stofflisten, zu erwarten." Dies gibt den Unternehmen die Möglichkeit, ihre Konformitätsarbeit "wetterfest" für größere Herausforderungen aus Brüssel zu machen. Mittelfristig werden umfangreiche Regelungen für Papier und Kartonagen ebenso erwartet wie für Druckfarben, Glas und Metalle oder Klebstoffe.

Druckfarben im Visier
Betriebe, die Druckfarben einsetzen, dürfen sich nach Einschätzung der Experten als erste auf Neuerungen einstellen. "Einiges spricht dafür, dass sich die EU nach den Kunststoffen als Nächstes der Druckfarben annehmen wird," erklärte Dr. Matthias Henker (Flint Group Germany GmbH) in seinem Votrag. Er rechnet mit einem umfangreichen Regelungswerk aus Brüssel, dass in seiner Tragweite den Verordnungen für Kunststoffe entsprechen wird.

Gestützt wurde Henkers Annahme von Dr. Rainer Brandsch (MDCTec Systems GmbH) im Vortrag zum aktuellen Stand bei Nano-Partikeln, die auch in (Druck-) Farben unvermeidlich vorkommen. Nano-Partikel gelten als besonders kritisch, da sie aufgrund ihrer Größe tendenziell in der Lage sind, in menschliche Zellen einzudringen. Und auch die Mineralölmigration aus Druckfarben steht politisch auf dem Prüfstand: Dr. Oliver Kappenstein (Bundesinstitut für Risikobewertung) informierte zu aktuellen Studien und gab Handlungsempfehlungen.

Die Druckfarbenindustrie ist gut vorbereitet und hat in Ermangelung rechtlicher Regelungen eigene Standards entwickelt. Betriebe, die Druckfarben einsetzen, können sich über bestehende Standards zur guten Herstellungspraxis von Druckfarben und ihrer Anwendung im EuPIA-Leitfaden informieren.

Papier und Kartonagen
Dr. Ralph Derra (ISEGA Forschungs- und Untersuchungsgesellschaft mbH) referierte über Konformitätserklärungen für Papier und Karton und ging dabei vor allem auch auf die Migration von Mineralöl aus Recyclingpapieren ein. "Erdöl im Essen" hatte der Verpackungsindustrie seit 2011 wiederholt unangenehme Presse beschert. Ensprechend geht Derra von einer zeitnahen Reaktion der Politik aus. Umfangreiche EU-Regelungen für die Konformitätsarbeit zu Papier und Kartonagen erwartet er jedoch erst mittelfristig: "Die Erarbeitung fundierter Regelungen für die Kunststoffe hat Jahre gebraucht. Auch Papier und Karton werden eine lange Vorbereitungszeit in den entsprechenden Gremien benötigen." Solange hier keine rechtlichen Vorgaben existieren, empfielt er, Konformitätserklärungen "in Anlehnung" an die Konformitätsarbeit zu Kunststoffen zu machen. Die Rahmenregelungen der Verordnung 1935/2004 wie auch viele Grenzwertbestimmungen sind auf Papier und Karton anwendbar.

Hochspeziell und doch praxisnah
Der fachliche Level der Veranstaltung war gewohnt hoch, dennoch stellten alle Referenten einen guten Praxisbezug her, so dass auch kaufmännische Mitarbeiter den Vorträgen gut folgen konnten, wenn sie mit der Konformitätsarbeit vertraut sind. Hochspezialisiert war z.B. der Vortrag von Frau Behnusch Athenstädt (Fresenius Medical Care Deutschland), die detailliert zeigte, wie migrierende Stoffe aus PU-Klebstoffen identifiert werden können - ein echtes Bonbon für die anwesenden Chemiker. Besonders praxisnah gestaltete sich der Vortrag von Dr. Andreas Grabitz (Eurofins Consumer Product Testing GmbH) zur Konformitätsarbeit. Er beleuchtete ausführlich aktuelle Anforderungen an die Verpackungsindustrie und hinterlegte diese mit konkreten Vorschlägen, wie sich die oft aufwändige Konformitätsarbeit auch in kleineren Betrieben umsetzen lässt.

Die Tagung bietet insgesamt einen fachlich fundierten ßberblick über aktuelle rechtliche Anforderungen an die Konformitätsarbeit und ihre Auswirkungen in der Praxis. Der hohe Informationsgehalt zusammen mit den Prognosen der Referenten macht die Veranstaltung gerade auch für mittelständische Betriebe interessant und wertvoll. Besonders positiv: Die Referenten stehen auch während der Pausen und bei der Abendveranstaltung für detaillierte Fragen zur Verfügung.

06.07.2013