Neue Regelungen für Arbeitnehmer mit mehreren Arbeitsstätte

Mit dem Gesetz zur Änderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts vom 20.02.2013 wurden die bisherigen steuerlichen Bestimmungen zum steuerlichen Reisekostenrecht umgestaltet.

Hierbei wurde auch der für den Werbungskostenabzug der Arbeitnehmer bislang maßgebliche Begriff der „regelmäßigen Arbeitsstätte“ durch den Begriff der „ersten Tätigkeitsstätte“ ersetzt und definiert (§ 9 Abs. 4 EStG). Nach dem neuen Gesetz ist die erste Tätigkeitsstätte eine ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers oder eines verbundenen Unternehmens, nicht jedoch das häusliche Arbeitszimmer des Arbeitnehmers. Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe scheiden also aus.

Die Bestimmung der ersten Tätigkeitsstätte erfolgt anhand von arbeits- oder dienstrechtlichen Festlegungen, hilfsweise mittels quantitativer Kriterien. Kommen danach für einen Arbeitnehmer mehrere Tätigkeitsstätten in Frage, ist die Bestimmung durch den Arbeitgeber maßgebend.

Die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte sind mit beschränktem Werbungskostenabzug belegt, im Rahmen der Fahrtkosten kann also nur die Entfernungspauschale geltend gemacht werden. Die Fahrten zu weiteren Tätigkeitsstätten (sog. auswärtige Tätigkeit) folgen dem Reisekostenrecht, können also mit Kilometersätzen (0,30 € für PKW-Benutzung und 0,20 € für andere motorbetriebene Fahrzeuge) für jeden gefahrenen Kilometer angesetzt werden.

Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber besteht die Möglichkeit, sich bei lohnsteuerrechtlichen Zweifelsfragen abzusichern und beim Betriebsstätten-Finanzamt eine gebührenfreie Anrufungs-Auskunft (§ 42e EStG) einzuholen. Dabei können Arbeitnehmer und Arbeitgeber beantragen, das Wohnsitz-Finanzamt in die Entscheidung einzubinden, damit Rechtssicherheit im Veranlagungsverfahren der Arbeitnehmer besteht.

Die Änderungen der steuerlichen Behandlung sind am 01.01.2014 in Kraft getreten. Das neue Recht ist auf Fahrten anzuwenden, die nach dem 31.12.2013 angetreten worden sind.

Korbach, den 09.07.2014

10.07.2014